Fotos und Pressemitteilung vom Waldbauerntag in Werl vom 14.09.2022
Quelle: Waldbauernverband NRW e.V.

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Pressemitteilung zum Jubiläumswaldbauerntag
am 14.09.2022 in Werl

Großer Waldbauerntag 2022: "In der Waldkrise gemeinsam handeln!"
Erster großer öffentlicher Auftritt von Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen, eine bekennende Forstministerin / Waldbauernverband NRW positioniert sich gegen Rechtsstreit im Kartellverfahren der Sägeindustrie/ Bundeshilfen für den Wald: Honorierung der Waldleistungen immer noch in der Warteschleife/ Waldbauernverband NRW - 75 Jahre dem Eigentum verpflichtet
Jubiläumswaldbauerntag in der Stadthalle Werl am 14.9.2022 mit über 350 Waldbäuerinnen, Waldbauern sowie Gästen der Partnerverbände, Forstverwaltung und Politik .Mit anerkennenden Worten zum 75-jährigen Bestehen des Waldbauernverbands NRW leitete der Vorsitzende, Dr. Philipp Freiherr Heereman, seine Begrüßungsrede beim diesjährigen Waldbauerntag in Werl ein - 75 Jahre Verbandsarbeit - 75 Jahre Einsatz für das Waldeigentum und die aktive Wald-bewirtschaftung.
Als besonderen Gast begrüßte er die neue Ministerin des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (MLV NRW), Silke Gorißen. Er zeigte großes Interesse an der Ministerin und der Arbeit des neuen Ministeriums. Zugleich brachte er auch seine Sorge vor der drohenden Streitverkündung im Kartellverfahren zur Rundholzvermarktung des Landes NRW gegen die privaten Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer zum Ausdruck. „Allerdings verdunkeln die Schatten der Schadenersatzklage der Sägeindustrie schon vor dem ersten Händedruck unser Verhältnis. Und wir haben Sorge, dass wir Waldbesitzer in diese Klage auch noch hineingezogen und womöglich irgendwann zur Kasse gebeten werden. Wir haben Anzeichen, dass das Land genau dies plant und uns mit einer so genannten Streitverkündung belasten will“, so Heereman. Er stellte klar, dass sich die Waldbäuerinnen und Waldbauern klar gegen eine Streitverkündung positionieren: „Ich sage hier und jetzt: Eine Streitverkündung gegen uns darf es nicht geben!“ Auf der Bühne war ein rotes Banner mit einer entsprechenden Aufschrift angebracht. Der Vorsitzende nahm diese allerdings noch vor der Rede der Ministerin ab, um ihr so symbolisch die Hand für eine gute künftige Zusammenarbeit zu reichen.
Leicht irritiert über ein derartiges Banner bei einer Jubiläumsveranstaltung stellte Ministerin Silke Gorißen klar, dass sich das MLV NRW hinsichtlich der Angelegenheit im Sinne der Waldbesitzer engagiere. Sie sei neue Forstministerin mit Leib und Seele und ein gutes Miteinander wichtig. Hervorragende Leitlinie für die bevorstehende Regierungszeit sei aus ihrer Sicht der neue Koalitionsvertrag. Hier erläuterte sie ausgewählte Aussagen. Neu war ihre Information, dass es eine Abteilung für Forst- und Holzwirtschaft sowie Jagd geben und keine Abteilung hinten angestellt werde. Hinsichtlich der im Koalitionsvertrag angekündigten Prüfung der direkten Förderung zeigte Sie Verständnis für die enormen Belastungen, die für die Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse mit der Umstellung von der indirekten auf die direkte Förderung einhergehen. Hier wolle sie die Zusammenschlüsse unterstützen und die Förderung schlanker und einfacher machen. In diesen Überarbeitungsprozess sollen die Stakeholder, also auch die privaten Waldbesitzenden, einbezogen werden. Jedoch betonte die Ministerin, dass die Unterstützung der Zusammenschlüsse rechtskonform nur über die direkte Förderung laufen könne. Ein Zurück in das alte System wird es nicht geben.    
Mit besonders großem Interesse waren die Ausführungen zur Honorierung von Ökosystemleistungen der Wälder von Dr. Stefanie von Scheliha-Dawid vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Referat Nationale Waldpolitik, erwartet worden. Leider stellte die Rednerin nicht die erhofften Eckpunkte und ersten Details zum neuen Förderprogramm vor, sondern nur allgemeine und bereits bekannte Aussagen zur neuen Fördermaßnahme „Klimaangepasstes Waldmanagement“. Sie vertröstete die Anwesenden auf die 2. Septemberhälfte 2022.  
Prof. Dr. Pierre L. Ibisch von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, stellte seine Überlegungen zur Beantwortung der Frage „Forstwirtschaft im Klimawandel – lohnt sich das noch?“ vor. Für ihn stehe fest, dass die Merkmale der guten fachlichen Praxis bei der Waldbewirtschaftung lange Zeit funktionierten, aber nur unter bestimmten Umweltbedingungen. „Die Evidenz von gestern ist keine Evidenz von morgen“, so der Wissenschaftler. Komplexe Ökosysteme wie die Wälder ließen sich nicht vorhersagen. Darum brauche es kompetenten Umgang mit Nichtwissen. Er wirbt für einen neuen Blick auf die Waldbewirtschaftung, für eine „sozioökologische Waldbewirtschaftung“ und die Bereitstellung der Ökosystemdienstleistungen. Aus seiner Sicht brauche es hier eine Vergütung durch die Gesellschaft, allerdings müssten noch viele Fragen dazu geklärt werden.  
Mit Stolz und Anerkennung überbrachte Prof. Dr. Andreas W. Bitter, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, die Glückwünsche zum Jubiläum des Dachverbandes. Weiterhin kommentierte er die Aussagen seines Vorredners, Prof. Ibisch, und legte seine Sichtweisen für die Waldzukunft dar. Für Prof. Bitter führe dieser Weg über „Freiheit, mehr Vielfalt, weniger Gängelung“ der Waldbewirtschaftung. Ein wirtschaftlicher Rahmen sei von Bedeutung, da der Forstbetrieb alleine durch den Holzerlös nicht mehr getragen werden könne. Es sei notwendig, von Verwaltung und Politik einzufordern, dass die Agrarförderung weitergeführt und eine Etatverstärkung vorgenommen werde. Die aktuelle Waldkrise 2.0 sei eine Krise ungeahnten Ausmaßes und daher könne es keine kurzfristigen, auch keine mittelfristigen, Veränderungen geben. Für ihn stehe fest, dass die Bereitstellung der Ökosystemleistungen des Waldes nicht mehr selbstverständlich und für jedermann zum Nulltarif zu haben sei.
Einen ausführlichen Bericht über den diesjährigen Waldbauerntag lesen Sie in Heft 5 der Verbandszeitschrift "Die Waldbauern in NRW", die Anfang Oktober erscheint.
Ihr Waldbauernverband NRW e.V. 



Die FBG Odenthal e.V. hat im Amtsblatt der Gemeinde Odenthal (Das Rathaus) Fragen von Bürgern beantwortet.






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